Interview mit Sepp Rothwangl  in drei Teilen nach dem Motto:
Man muss nicht nur die Wahrheit sagen,
sondern auch die Ursache des Irrtums. 
(Aristoteles. Nikom. Ethik)

Falls auch Sie weitere Fragen haben, emailen Sie diese bitte unter Betreff: Interview.


Teil 1

Sepp, was ist CALENdeRsign?
Sepp: CALENdeRsign ist ein Kunstwort und Markenzeichen, das mir vor langer Zeit einfiel, als ich sinnierte: woher die Zeitrechnung kam und wohin sie weitergehen kann. Meine Arbeit zeigt die Verknüpfung, wie und welche Ereignisse, Zeichen, Signale und Symbole die Menschen benutzen, um die Zeit zu rechnen.



Was ist an Kalendern so faszinierend, besonders für Sie? Wie kamen Sie darauf?
Sepp: Ich denke, weil ich die Dinge in einer Weise analytisch hinterfrage, die manche vermutlich als herätisch bezeichnen. Ich möchte die Wahrheit und Wirklichkeit herausfinden, wo immer sie ist. Ich bin aus Österreich/Steiermark und wohne jetzt in Wien, war aber lange Zeit im Mürztal in meiner Waldwirtschaft. Der Nachthimmel ist dort oft so sternenklar, dass in mir der Wunsch aufkam mehr darüber zu wissen. Ich hörte von alten Überlieferungen und seltsamen Ausrichtungen von Kirchen rund um den Teufelstein durch einen Bekannten, der ein hervorragender Kenner früherer Bräuche war. Als ich dies näher untersuchte, fand ich, dass der Teufelstein ein solch einfaches Beispiel eines steinzeitlichen Kalenders ist und dort der Schlüssel zu finden ist, wie die Menschen die Zeit rechnen. Meiner Meinung nach wird die Zeit auf Erden nach dieser prinzipiellen Methode noch lange, lange Zeit gerechnet werden.


Was ist der Teufelstein? Beschäftigen Sie sich mit dem Teufel? Vielleicht möchten die Menschen eher nichts davon hören?
Sepp: Oh nein! Ich habe ihn nicht Teufelstein genannt. Wahrscheinlich hat ihn die katholische Kirche während der Christianusierung dieser Region so benannt, um dem Einhalt zu gebieten, was sie für böse Riten hielt. Die ursprüngliche einheimische Bevölkerung traf sich dort sicherlich für kalendarische Beobachtungen von Sternen und hielt vielleicht Riten für ihre Götter ab. Die Kirche verbot und verdammte dies, um den christlichen Glauben und Kalender zu fördern. Ursprünglich mag der Stein die Bedeutung "Wintermorgensonnenstein", "Winterdämmerungsturm" oder "Morgensternfelsen" in einer  alten Sprache geheißen haben. Wir haben ganz einfach keine Berichte darüber. Doch ein ähnliches Beipiel ist Stonehenge, das auch die Bezeichnung "Teufelsteine" führte.
In Kürze, der Teufelstein ist eine imposante Felsformation am Gipfel eines Berges, die in längst vergangener Zeit für Himmelsbeobachtungen und Zeitrechnung verwendet wurde. Es gibt noch immer unerklärte Geheimnisse dort. Auch wenn Fakten durch die Katholiken verzerrt wurden, die am 15. August (keltisch Lugnasad) dorthin Wallfahrten pflegten, liefert die noch immer lebende Sage einen klaren Hinweis auf einen kalendarischen Jahreseckpunkt: die Wintersonnenwende. Dieser Zeitpunkt wird von vielen ähnlichen Monumenten rund um die Welt durch die Peilung des Sonnenaufgangs bestimmt. Ein erster archaischer Schritt in Richtung Zeitrechnung.
Das Prinzip ist noch immer dasselbe: Die Zeit wird durch den Raum gemessen, durch den sich ein bestimmter Körper bewegt und umgekehrt. Z.B. ist ja auch das Meter die Anzahl an Sekunden definiert, die das Licht für einen Meter benötigt. Die Geschichte dieses Steins erzählt auch die eigentliche Geschäftsidee der katholischen Kirche: Das Monopol der Zeitrechnung zu besitzen. Zeit ist Geld, und wenn jemand die Macht der Zeitrechnung hat, kann er wunderbar Geld daraus machen. Im Mittelalter verkaufte die Kirche sogar Zeit im Jenseits mit dem Ablass der Sünden. Ein noch älteres Vorbild liefert die Sage, dass Amlohdi's Mühle Gold mahlte, bevor sie zerbrach.

Warum halten die Katholiken Messen und Prozessionen am Teufelstein ab? Ist der keltische Kalender in Österreich noch in Verwendung?
Sepp: Nein! Sicherlich nicht! Aber viele katholische Feste haben heidnischen Ursprung. Die Kirche hat sich frühere Kulte einverleibt.

Behaupten Sie, dass die Wintersonnwende ein Merkpunkt für Kalenderzeit ist?
Sepp: Es ist ein Angel-, ein Kardinalpunkt des Jahres (Lat. cardo = Angel). In sehr früheren Zeiten war dies sicherlich ein magischer Zeitpunkt, denn wenn die Sonne nicht wenden würde, würden ja die Lichtstunden der Tage immer mehr und mehr abnehmen und die Welt sich verdunkeln. Dies scheint der Grund warum die Menschen berühmte Feste zu dieser Zeit feierten, wie die Saturnalien und Sol invictus. Jedoch, der genaue Zeitpunkt des Wintersolstitiums (von Stillstand der Sonne) kann mit dem Teufelstein oder ähnlichen Monumenten nicht festgestellt werden, da sich der Aufgangspunkt der Sonne dann für einige Tage nicht ändert, sondern er eben stillsteht. Doch, das ist zur Tagundnachtgleiche möglich, wenn sich der Aufgangspunkt der Sonne um mehr als einen scheinbaren Sonnendurchmesser verschiebt. Dies mag auch der Grund sein, warum spätere höher entwickelte Kulturen den Frühlingsbeginn als Jahresanfang wählten, wie die Monatsnamen von September bis Dezember (7-10) noch immer zeigen.


         
Wie entstanden diese alten Zeitrechnungen?
Sepp: Die Beschäftigung mit dem Teufelstein führte mich zum Anfang der Zeitrechnung. Es gibt ja mehrere Arten die Zeit zu messen: 1. die Peilung von Auf- und Untergängen von Sternen oder Sonne und Mond am Horizont, oder 2. die Beobachtung von Planeten, Sonne und Mond vor dem Hintergrund der Fixsterne. 3. Die Beobachtung der Mondphasen. Daraus ergeben sich Himmelsperioden wie Tag, Mondmonat, Jahr, Venusjahr, Jupiter und Saturnjahr, Platonischer Monat (Zeitalter) und Platonisches Jahr (voller Kreis der Präzession). Die Astronomen berechnen die Ephemeridenzeit noch immer in derselben Weise, nur mit viel komplizierteren Geräten und viel genauer.
 
Was ist die Präzession und warum ist sie wichtig?
Sepp: Präzession nennt man die Verschiebung der Sternbilder gegenüber den jahreszeitlichen Angelpunkten des Jahres, die durch die Kreiselbewegung der Erdachse entsteht. Sie ist bedeutend wegen ihres kulturellen und religiösen Kontextes. Das Sternbild, das unmittelbar vor Aufgang der Frühlingssonne am Horizont steht, zeigt das präzessionale Zeitalter an. Sie kennen doch das Zeitalter Wassermann ...
 
Sie meinen "New Age"? Religion? Alte und moderne?
Sepp: Ja, beide! ICHTHYS und Fisch waren die ersten christlichen Symbole, die einst auf den Beginn des neuen Zeitalters Fische hinwiesen. Den selben Sinn ergibt auch das Opferlamm, da es das Sternbild Widder darstellt, das unter den Horizont dieses entscheidenden Jahrestages verschoben wurde, bildlich gesprochen, der Sonne durch die Präzession geopfert wurde. Zuvor wurde das Zeitalter Widder durch das Goldene Vlies und andere Widdersymbole verkörpert, und das Zeitalter Stier war mit Baal, Apis, Minos usw. verknüpft. Das Ende des christlichen Zeitalters Fische wurde schon vor etwa 1500 Jahren vorausberechnet, als die derzeitige Jahreszählung festgelegt wurde.
 
Wer hat die Jahreszählung erstellt?
Sepp: Ein gewisser Dionysius Exiguus (Dionysius der Geringe oder Kleine, kurz D.E.). Er tat dies, weil die fiktiven Weltenjahre "anno mundi"(AM) beim ominösen Jahr 6000 AM ankamen. AM ist die abergläubische Zählung der Jahre seit Erschaffung der Welt bis zum Ende der Welt. Dies ergab sich aus der Vorstellung der biblischen Schöpfungswoche, wonach die Welt aus sechs 1000-jährigen Tagen Gottes dauern würde. Danach folgt der siebente Tag, wo die Wiederkehr von Jesus versprochen war, aber auch das Jüngste Gericht. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung entstand. Heute würden wir sagen, das Ende der Geschichte.
 
Warum hat die Kirche nicht akzeptiert, dass Christus oder der Antichrist zu dieser Zeit erscheinen könnte?
Sepp: Weil keiner von beiden wirklich existiert. Das sind einfach Mythen für Gläubige, womit diese brav an der Stange gehalten werden und der Kirche ihr Geld abliefern. Wie wir die Jahre zählen ist in Wirklichkeit eine Verschwörung.
 
Eine Verschwörung?
Sepp: Ja! Dionysius Exiguus (D.E.) erzeugte ein neues Datum für das Ende des sechsten 1000-jährigen Tages oder den Beginn des siebenten Tages und die versprochene Wiederkehr von Jesus, indem er errechnete, wann sich alle klassischen Planeten zu einer Konjunktion treffen, wobei er die ihm wohl bekannten Planetenperioden benutzte. Diese Konjunktion fand am 5. Mai vor vier Jahren statt. Von diesem vorausberechneten Ereignis zählte er zurück, indem er den Präzessionswert von 2000 Jahren pro 30° (d.h. 666 Jahre pro Dekan) verwendete, und richtete das Datum der Fleischwerdung Jesu (Maria Verkündigung) in einem Jahr ein, das wir 1 n. Chr. nennen. In anderen Worten, er errechnete zuerst das Ende des Fischezeitalters, das auch, in christlich apokalyptischer Sicht die Zeit für das Kommen des Tieres mit der Nummer 666 und üblicherweise Antichrist genannt wird, und erstellte mit diesem Ergebnis das Datum von der Fleischwerdung Jesu' zur Frühlingstagundnachtgleiche 2000 Jahre zuvor.
 

Was bringt sie auf diese Idee?
Sepp: Ich sammelte und sammle noch immer Steinchen nach Steinchen, die sich wie bei einem Mosaic zusammenfügen und die Dionysische Jahreszahl Absicht immer mehr und mehr offen legen, in der Art eines Indizienprozesses, wo der Angeklagte durch die schlüssige Beweiskette verurteilt wird, auch wenn er sein Verbrechen nicht zugibt. Es gibt zu viele Anhaltspunkte, dass die 5.Mai-Konjunktion nicht zufällig ins das Millennium fällt. Das gesamte Weltbild der Antike basiert auf der Idee der Wiederbringung aller Dinge bzw. der ewigen Wiederkehr, der "apokatastasis pantoon", wie die Griechen sie nannten. Viele Mythen, die Babylonier, die Pythagoreer, Aristoteles, Plato, Origenes und viele andere berichten darüber. Der indische Astronom Aryabhata berechnete eine ähnliche Konjunktion in der Vergangenheit, wie sein Zeitgenosse Dionysius in die Zukunft. Ich habe das sehr genau auf mehreren wissenschaftlichen Artikeln veröffentlicht. (Anm. nun im neuen Buch ENDZEIT )
 Die gesamte Antike war durchdrungen oder besessen vom Gedanken, dass es einen Zyklus der ewigen Wiederkehr gibt, in dem die Erde durch Zerstörung immer wieder enden, jedoch durch eine neue Schöpfung wieder erstehen würde. Man glaubte, dass eine Konjunktion aller Planeten diesen Jüngsten Tag anzeigen würde, ähnlich bei wie unsere Uhren alle Zeiger um Mitternacht übereinander stehen, und versuchte diesen Augenblick auch zu berechnen. Da die Welt enden würde, wenn Jesus zurückkehrt, glaubte die frühe Kirche auch an diese Wiedergeburt. Vordergründig war es den Christen natürlich nicht erlaubt dieses Datum zu berechnen, da es im Widerspruch zum Satz war: "Niemand kennt die Stunde und den Tag". Die christlichen Kirchen sprechen aber immer von kommenden Jesus als König der Erde, und die Juden erwarten den Messias, und die Moslems den Mahdi am "Ende". Die frühen Christen haben einfach versucht eine genaue Zeit dafür festzunageln. Hinter dem Glauben an den Jüngsten Tag und dem Heiligen Geist steckt ein gemeinsamer Geist, lateinisch "spiritus communis" oder "conspiratio", eine Art Konspiration, um die Zeit in den Griff zu bekommen.
 
Warum denken Sie an Konspiration?
Sepp: Wie sonst würden sie es nennen, wenn einige Menschen behaupten, ihr geistiger Führer wurde vom heiligen Geist (spiritus sanctus) gezeugt und von einer Jungfrau geboren. Ist das nicht KonSPIRation? Meiner Meinung nach sollten die Menschen mehr bedenken, was das Christentum an seinem Beginn war: eine jüdische Sekte, die gegen das römische Imperium einen verlorenen Kampf fochten, und daher zu psychologischen Methoden griffen. Es scheint, sie haben versucht die Welt zu erobern, mit der Absicht, dass sie Menschen zwingen an ihre Religion zu glauben. Jede Religion ist das Ergebnis einer langen Tradition. "Religion" kommt vom lateinischen "religare", das festbinden bedeutet - mag sein dass deshalb auch der Anker ein frühes christliches Zeichen war. Kurz gesagt geht die Entwicklung wohl so: Am Anfang steht irgend ein Ereignis, dann erinnern sich die Menschen daran durch besondere Gedenken. Daraus entsteht ein Brauch, es folgt eine Tradition, die wird angehäuft mit wundersamen Zusätzen, um sie noch imposanter zu machen, bis sie schließlich zu gemeinsamer Idee einer Gruppe oder eines Volkes wird, und in einer Religion, einer Glaubensgemeinschaft mündet. Wenn diese aber, nachdem zu viel Zeit verstrichen ist, zu sehr von der herrschenden Wirklichkeit (von der Kirche Säkularisierung oder Weltlichkeit genannt) abweicht, von ihr widerlegt oder überholt wird, unglaubwürdig wird, steigt sie ab zum Mythos, zur Sage, zum Märchen, zum Aberglauben, bis sie schließlich vergessen wird. Religionen und Götter sind menschliche Phantasieprodukte und nicht umgekehrt! Sie sind Weltbilder! Oder wie Aveni überspitzt sagt: Den derzeitigen Mythos nennen wir Wissenschaft. Daher also, wenn Götter und die mit ihnen verknüpften Kalender Produkte von Kirchen sind, warum sollen sie nicht auch zum Missbrauch für Zwecke der "Diener" dieser Kirchen dienen? Auch in der jetzigen Wissenschaft und dessen Weltbild gibt es eine Menge Missbrauch, oder nicht?
 
Denken Sie also Religion ist überholt, ein Mythos, ein Missbrauch?
Sepp: Ich würde sagen: Sie gehört ins Museum! In die Abteilung wo die Mythen gelagert werden. Und Mythen sind Geschichten, die zum Erzählen da sind, und nicht um für Wahrheit gehalten zu werden. Wir sollten sie auffassen, wie die Parabeln, die Jesus von den Verfassern der Evangelien in den Mund gelegt wurden. Wer kann das Gegenteil beweisen oder leugnen, dass die Kirche Missbrauch mit den Menschen getrieben hat? Wie kann jemand wirklich glauben, dass der heilige Geist eine Jungfrau geschwängert hat? Mit derselben Berechtigung könnte ich dem griechischen Mythos Glauben schenken, dass Zeus in Gestalt eines Stiers die Jungfrau Europa geschwängert hat, die dann König Minos gebar. Daher bin ich ohne religiösen Glauben. Ich glaube nicht an Jesus als Gott. Entsprechend seinem Namen Christus (der Gesalbte) stellt er eher einen ersehnten jüdischen König dar, den aber nicht gab. Die Kirchen benutzen ihre Macht um die Menschen zu manipulieren, sie benutzen ihre liturgischen Kalender und leeren Drohungen von Himmel und Hölle.
 
Wie kann die Kirche mit dem Kalender die Menschen manipulieren?
Ich untersuche und analysiere den Kalender, und ich kam dabei mit der Kirche dabei in Berührung, weil die Kirche sich viele alte Kalender und Vorstellungen in ihre Zeitrechnung einverleibt hat. Dies ist länglich bekannt, doch die Menschen erkennen nicht, was es für sie bedeutet und wie es sie beeinflusst, dem Weltverständnis der Kirche zu folgen. Der Trick der Kirche ist es, natürlich-astronomische oder kalendarische Ereignisse wie Jahreseckpunkte und Planetenkonjunktionen mit Schilderungen des Neuen Testaments zu verknüpfen, bzw. sie entsprechend im Kalender festzulegen. Damit wird die Bibel zum Kalender, zu einem die Zeit generierenden Instrument und die Kirche suggeriert ohne Bibel und Kalender gäbe es keine Zeit. Gerade so, als ob ungetaufte Kinder keinen Namen hätten, wie mir eine Bäuerin ernsthaft versicherte. Es ist wie bei einem Computer, der von einem speziellen Programmen abhängig macht. Zeit ist einer der beiden wichtigen Faktoren unseres raum-zeitlichen Kosmos. Ich möchte ich ans Licht bringen, wie man damit manipuliert werden kann.
 
Ist es nicht notwendig, die Zeit zu organisieren, zu strukturieren, wodurch sie willkürlich erscheint?
Sepp: Ja, Einteilung der Zeit ist notwendig. Aber sie braucht transparente Regeln und eine nachvollziehbare, kalibrierbare Erstellung, nicht die Vision des Gottes, oder eine Ausrichtung nach einem fiktiven Beginn oder Ende der Welt, das niemand für eine kalendarische Rechnung des Alltags wirklich brauchen kann. Es ist eine Schande für eine Zivilisation, wenn eine Glaubensorganisation, die höchste Moral und Wahrheit auf ihre Fahnen schreibt, Zeit und Kalender fälscht, um damit die Menschen zum Glauben an diese Organisation zu zwingen. Die Lüge oder zumindest ein Irrtum wurde Teil der Weltordnung. Sich an Anfang und Ende der Welt kalendarisch zu orientieren ist ein Wahn, und mag wohl Ursache für manches Übel sein, an dem unsere Gesellschaft krankt, wo die Einen nach dem Paradies, die anderen nach fernen Galaxien streben, die Erde aber versaut wird, als ob wir eine zweite haben, die jeden Moment aufgehen würde. Jeder Psychoanalytiker aber, versucht das Denken des Angstneurotikers im Hier und Jetzt zu verankern, wo das Leben stattfindet. Nach meiner Meinung ist jeder auch für seinen Glauben selbst verantwortlich und daher auch, wie die Zeit gerechnet wird. Der Moment ist gekommen, damit zu beginnen eine neue Zeitrechnung für das Jetzige Zeitalter zu schaffen.
 

Wie sieht der neue Kalender aus?
Langsam, langsam! Ich bin nicht hier, um eine Zeitrechnung zu schaffen, sondern eher zu analysieren, aus welchem Sumpf die alte kam. Mein Leben ist zu kurz, um das Zeit-Schiff aus dem Dreck zu ziehen, in dem es seit 1500 Jahren steckt. Ich kann nur einen festen Anker in der Zukunft nennen, wohin man den das Schiff (mit Spinnfäden oder Ketten) in Richtung CEP=0 ziehen oder navigieren kann, um mit Bildworten zu sprechen, die auch Religiöse verstehen. Genügend Spinnen können einen Löwen festbinden, sagt ein äthiopisches Sprichwort. Warum nicht auch die Zeit? Nutzt das Spinnennetz des Internet und seine Redundanz von Vorschlägen.

Das Interview mit Sepp Rothwangl führte Joan Griffith.
Herausgegeben CEP - 245126

Teil 2

Erzählen sie uns mehr, wie sie darauf kamen, Bräuche und Mythen zu studieren? Wie passt das mit Teufelstein und dem 5. Mai 2000 zusammen?
Seit meiner Kindheit hinterfragte ich, warum unsere Bauern so komische Bräuche pflegen, wie zu bestimmten Punkten zu gehen und um gutes Wetter und Ernte zu beten. Ich wollte herausfinden, was hinter diesem, gewöhnlich als Aberglauben bezeichnetem Verhalten liegt. Dies führte mich auch zum Teufelstein, denn frühere Priester gaben den Sündern Beichtbußwege zu speziellen Kirchen auf, die genau geometrisch angeordnet waren. Ich hatte ein unterbewusstes territoriales Verhalten in einer rituellen Landschaft in Verdacht. Dass der Teufelstein ein solcher Landschaftskalender ist, ist offensichtlich. Schließlich fand ich, dass gewisse Märchen wie "Hase und Igel" über Lauf von Sonne und Mond erzählen.

Zur zweiten Frage: In der Sonnenfinsternis vom 11. August 99 sah ich die einzigartige Chance das Augenmerk der Bevölkerung auf den Teufelstein zu lenken, da zufällig die Zentrallinie der Finsternis genau über den Teufelstein verlief. Tatsächlich gelang es mir das noch immer legendäre Teufelstein-Symposion zu organisieren. Für mich liegen Teufelstein und die 5. Mai-Konjunktion gedanklich auf demselben roten Faden: Sie sind Werkzeuge, um die Zeit zu messen. Der Teufelstein in der Steinzeit, der 5. Mai für das Fischezeitalter. Ich muss gestehen, der Zufall spielte dabei eine große Rolle, und dass ich mit dem leider verstorbenen Dr. Stolla in Kontakt kam, der noch viel über die alten Bräuche und Mythen rund um den Teufelstein wusste. Ein anderer Zufall war, dass mir ein Familiendokument zufiel und mir seltsame Hinweise lieferte, die ich Anfangs überhaupt nicht verstand. Aber das ist eine andere Geschichte ... 
Um es einfach darzustellen: Teufelstein und 5. Mai-Planetenreihe, die in Wirklichkeit die Basis für die Anno Domini - Jahreszählung ist, sind Beispiele oder Wege der menschlichen Orientierung in der Zeit. Sie zeigen aber auch, wie trickreich dieses Gewußtwie sein kann, und wie viel Fälschung Religionen und Kirchen anwenden, um das Verhalten und den Glauben der Menschen zu beeinflussen. Zeit ist ein Hauptfaktor in unserer raumzeitlichen Welt. Wer die Zeitrechnung kontrolliert, hat unglaubliche Macht und Autorität. Können sie sich nun vorstellen, wie viel Einfluss man besitzt, wenn man die ganze Welt durch Missbrauch der Zeitrechnung fehlleitet? Ein Mensch, der von dieser Zeitrechnung abhängt, tanzt wie eine Puppe an den Fäden, oder ist wie der Blinde mit nur einem Stock, der aus dem Holz des Kreuzes geschnitzt ist und dabei nicht merkt, dass in den heiligen Reliquienschreinen der Kirchen so viel Holz dieses Kreuzes lagert, dass man daraus leicht einen Stall für ein paar Dreschochsen bauen kann.
 
Glauben sie wirklich, dass die Menschen so dumm sind, dass sie wie Puppen an Fäden kontrolliert werden können?
Ja, das denke ich! Freilich sind nicht alle so einfältig, aber viele! Ich würde sagen, die meisten folgen unbewusst dieser Zeitrechnung, wie z.B. der Siebentagewoche oder der Jahreszählung ohne je zu hinterfragen woher oder wie sie entstanden ist. Ich würde es mit dem schon erwähnten Computerprogramm vergleichen, mit dem sich jemand ein Monopol aufbauen kann. Das Programm (der Kalender) läuft und man folgt ihm, wie eine Puppe, und daher ist man gezwungen auch die Feste dieses Kalenders (Ostern usw.) aber auch die Kosten und schlechten Tage (vergleichbar mit den Computerviren) mitzutragen. Und durch Pass und Ausweis ist wird der Kalender sogar Teil der Identität. Das (gefälschte) Geburtsjahr von Jesus definiert oder ist die Basis auch ihres Geburtsjahres.
 
 
Aber man muss doch eine Startlinie haben, von der aus man die Zeit rechnet!
Freilich braucht man so eine Startlinie. Kalenderzeit kann nicht vom jeweiligen "Hier und Jetzt" aus gezählt werden, da sich das jeden Moment ändert. Die Messung von Zeit braucht einen Punkt an dem sie festgemacht ist. Aber dieser Punkt soll transparent und nachvollziehbar in der Weise sein, dass auch seine Festlegung durch jedermann kalibrierbar ist, und nicht in der Art der Christigeburtjahre, die faktisch auf das Ende der Welt abzielen, aber durch die katholische Kirche in betrügerischer Weise als Datum der Fleischwerdung (Zeugung) Christi im Leib der heiligen Jungfrau definiert sind. Die Anno Domini Jahre geben vor, die Jahre ab Christi Geburt zu zählen, aber tatsächlich wurden sie erstellt auf die größte Sehnsucht der Christenheit hin: Die Wiederkehr von Jesus. An dieses Ereignis war gedacht, und dass es bei der Wiederkehr aller Dinge geschehen würde, dem Ende der Welt, oder dem Beginn einer neuen Welt oder eines neuen Zeitalters. Ich würde sagen, wir liefen gerade über diese Startlinie ..., die eher ein Zielband war, - eines sehr langen Marathonlaufs, mit einem ziemlich schrecklichen Endspurt. Jeder Sportler erkennt an der Zeit, die aufscheint, wenn er über die Ziellinie fährt oder läuft, wie gut er ist. Die katholische Kirche ist entweder bereits so orientierungslos oder so verlogen, dass sie nicht einmal mehr ihre selbst gesteckte Ziellinie erkennt und verleugnet.
 
Was meinen sie mit "Wiederkehr aller Dinge"?
Es ist das, was ich schon zuvor erwähnte und die Griechen "apokatastasis pantoon" nannten. Eine Art Glaube an Wiedergeburt, hier oder im Jenseits. Ich werde es noch klarer machen. Es ist die antike Vorstellung, dass sich alles nach bestimmten Zyklen wiederholen würde und die sieben antiken Planeten die Zeit selbst hervorbringen: Eudemos erklärte es so: "Wenn man den Pythagoreern glauben soll, so werde ich auch künftig, so wie alles der Zahl nach wiederkehrt, euch hier wieder Märchen erzählen, dieses Stöckchen in der Hand haltend, während ihr ebenso vor mir sitzen werdet. Auch alles andere wird sich ebenso wiederholen." Ähnlich Aussagen machten Aristoteles und Plato, ja sogar Kirchenväter. Die Stoiker sagten z.B.: "Die Planeten kehren zu denselben Himmelszeichen zurück, wo jeder einzelne Planet im Anfang stand, als sich die Welt zusammensetzte; in bestimmten Zeitumläufen bringen die Planeten Verbrennung und Vernichtung der Dinge zustande; danach tritt die Welt wieder von Grund auf an dieselbe Stelle und während sich die Sterne wiederum ähnlich drehen, wird sich jedes einzelne Ding, das in der früheren Zeit entstanden ist, ohne Veränderung wiederhergestellt; es wird dann wieder einen Sokrates und einen Platon geben, ... alles wird ebenso und unverändert sogar bis in die kleinsten Verhältnisse bestehen."
Es ist das so genannte Größtjahr am Ende eines Großen Jahres, wenn alle Planeten sich wieder zu einer Konjunktion zusammenfinden, und der ihnen zugeschriebene Zeit erzeugende Kreislauf wieder von Neuem beginnt. Im christlichen Weltbild entspricht dem die Wiederkehr von Jesus am Siebenten Tag. Im kalifornischen Weltbild von Hollywood mag es die Ansage des TERMINators sein: "I'll be back!"
 
Was war dieses Familiendokument, das ihnen in die Hände fiel? Was hatte es mit Kalendern und Mythen zu tun?
Ja, durch Zufall fiel mir ein altes Familiendokument zu. Historisch ist es absolut wertlos, dennoch entzündete es meine Überlegungen und Nachforschungen. Es war als ob ein Kriminalkommissar eine anonyme Anzeige erhält und er seine private Ermittlung beginnt. Es ist leider freilich nur eine Kopie einer Kopie einer mündlichen Überlieferung ... manchmal bereue ich, dass ich es je erwähnte, denn es kann als Beweis keinesfalls dienen. Aber es führte mich auf die Spur, die ich beinahe schon riechen kann, obwohl ich sicherlich kein Bluthund bin: Es ist der Geruch eines sehr großen bald sterbenden Fisches. Haha. Meiner Meinung nach ist das Dokument, was man derzeit eine dumme, abergläubische, einfältige, dunkel mittelalterliche, apokalyptische usw, streng gläubige Vermutung und Vorausberechnung der Wiederkehr von Jesus Christus nennt.

 
Sie sollten sich klar sein, dass der Messias, wenn die Bibel die Wahrheit sagt, ein neues Zeitalter des Friedens mit 1000 Jahren einleitet, aber damit keine Wiederkehr aller Dinge verknüpft ist.
Wenn jemand an die unrealistische Wiederkehr aller Dinge glaubt, dann würde doch dann auch Christus wiederkehren, oder nicht? Ich hoffe sie nehmen die Offenbarung hier nicht ernsthaft Wort für Wort, oder? Die 1000 Jahre sind einfach eine Anspielung an den Siebenten Tag des biblischen Gottes, der wie die sechs Tage zuvor, jeweils 1000 Jahre auf Erden dauerte. Ich fand kürzlich sogar von Martin Luther eine solche Berechnung über die Dauer der Welt. Auch er erwartete das Ende der Welt für das Jahr 2000.
 
 
Aber würden sie nicht meinen, dass ein Christ dieses Zeitalters die Wiederkehr von Jesus erwarten würde. In der Bibel steht, er würde wiederkommen.
Ich kenne kein einziges Ereignis, wo in der wirklichen Geschichte jemand wiedergeboren wurde, oder von den Toten auferstanden ist. Nur die Irrenhäuser sind voll mit bedauernswürdigen Kranken, die glauben sie sind Jesus.
 
Bitte erzählen sie von diesem Familiendokument. Was für ein Dokument ist das? Wer schrieb es? Was sagt es? Was steht über den Teufelstein darin?
In meiner Familie war es offenbar eine stille Tradition während der über vielleicht hunderte Jahre der Jüngste, der das gewisse Dokument besaß, es an den Jüngsten der nächsten Generation weitergegeben hat. Diese Person musste das Dokument kopieren und das vorige Original zerstören. Es gibt daher kein Originaldokument, nur den Inhalt der getreulich über die Jahre immer wieder kopiert wurde. Ich erhielt das Dokument vor mehr als 30 Jahren. Ich habe oft erwogen, was es bedeutet, denn ich durfte nur preisgeben, was ich verstand, sonst musste ich den unverstandenen Teil an die nächste Generation weitergeben. Ich kam darauf, dass einige Dinge auf die Jahreszählung und die Planetenkonjunktion hinwiesen, die ich mit eigenen Augen erleben würde. Offenbar wurde das Dokument im Mittelalter von einem (aber)gläubigen oder verräterischen "Insider" angelegt um die Nachfahren zu informieren, wann Christus wiederkommen würde, damit sie bereit sind. Der relevante Inhalt des Dokuments findet sich im Detail auf der Webseite "Einrichtung der Jahreszählung".  
Soweit ich es verstehe, sagt es nichts über den Teufelstein. Ich habe einiges darüber in meinem Buch WIRKLICHT niedergeschrieben. Ich glaube zwar nicht daran, aber einige Familienmitglieder meinen, einer unserer Vorfahren sei während der Türkenkriege oder bei den Kreuzzügen gewesen, da tatsächlich ein Familienwappen existiert, auf dem der Vogel Phönix, ein Sarazenenschwert und der Stern Davids abgebildet ist. Ich denke eher, das war ein Ergebnis oder eine Fälschung während der Nazizeit, um damit den Ariernachweis zu erhalten. Eher keine Tempelritter, nur Legenden ..., aber wer weiß ...?
 
Hat nicht Dionysius Exiguus seine Kalender aus Alexandria übernommen?
Zur Zeit von Dionysius gab es wieder einmal Streit, wie so oft in der Christenheit, und die Bischöfe von Rom, Byzanz und Alexandria stritten über das richtige Osterdatum, um damit das Recht des Papsttums innezuhaben und beschuldigten zugleich einander der Häresie. Dionysius verwendete das Auslaufen des Kalenderzyklus des Alexandriners Cyrill als Vorwand um einen neuen Zyklus zu beginnen, der er dann "ab incarnatione Domini nostri Jesu Christi annorum", d.h. die Jahre seit der Fleischwerdung unseres Herrn Jesus Christus nannte. Als weiteren Grund für seine neue Zählung gibt Dionysius an, dass er nicht das Andenken an Kaiser Diokletian bewahren wollte, "einen unfrommen Christenverfolger," sondern eher wolle, dass "das Leiden unseres Erlösers augenscheinlicher hervorleuchte." Mein Familiendokument gibt diese Stelle ähnlich wieder, aber statt "Leiden des Erlösers," heißt es dort "Wiederkehr der Erlösung."
In diesem Zusammenhang ist es wichtig auf eine andere Diskrepanz zu achten: Wenn D.E. seine Jahreszählung mit dem Leiden verbinden wollte, warum verknüpfte er es dann nicht mit Ostern, anstatt mit der Frühlingstagundnachtgleiche, wo das Fest von Christi Fleischwerdung (jetzt Maria Verkündigung am 25. März, dem früheren Jahreseckpunkt) eingerichtet war? Dieses Rätsel wird durch meine Lösung gelüftet. In Wirklichkeit verwendete er diesen Jahreseckpunkt und errechnete mit Hilfe der ihm bekannten Präzessionskonstante den Beginn des neuen Zeitalters, indem er sein vermutetes Ende im Auge hatte, d.h. die Wiederkehr der Erlösung, die Rückkehr von Jesus, die Wiederkehr aller Dinge, oder den Zyklus der ewigen Wiederkehr, wie Bartel L. van der Waerden es nennt, oder wie es andere das Platonische Jahr nennen. Ist das so kompliziert? Wenn man eine offene Gesinnung hat und keine religiöse Gehirnwäsche hinter sich hat oder katholisch voreingenommen ist, ist das sehr einfach.
 
Wie kamen sie darauf sich auf Dionysius und seine Rolle bei der Erstellung der Inkarnationszählung zu konzentrieren? Was ist mit dem Papst und Clavius, die ja den derzeitigen Kalender in Verwendung brachten?
Sie vermischen hier zwei Dinge. Die Anno Domini Jahre kamen nicht vor dem 7. oder 8. Jh. in Gebrauch, - erst Beda hat sie sehr begünstigt. In den offiziellen päpstlichen Dokumenten wurde sie etwa ab dem 14 Jh. verwendet. Christopher Clavius (Klau) hat jedoch erst bei der Gregorianischen Kalenderreform von 1582 eine Rolle gespielt. Das ist ein ganz anders Thema. Die offizielle Version der Kirche sagt, dass Dionysius, der Geringe, um etwa 530 in seinem Liber de Paschate (Osterbuch) seine neue Zählung erfand bzw. einführte. Ich zweifle sogar ein wenig, ob das wirklich so stimmt, und ob nicht jemand anders der Erfinder dieser Zählung war, und D.E. nur der Kopist war. Weitere Nachforschungen werden Licht in die Sache bringen. Ich kam zu Anno Domini und zu D.E. beim Studium des Kalender, als ich sehen wollte, was der Stern von Bethlehem astronomisch bzw. astrologisch war. Da fiel mir die Parallele zum Dokument auf und begann weitere gezielte Nachforschungen. Ich mache das alles als Privatgelehrter. Eine katholische Universität würde mir keinen Sessel dafür geben, haha. ... Ich könnte einen jungen Studenten aber gut brauchen. Ich fühle mich jetzt manchmal wie "Der alte Mann und das Meer", mit einem Riesenfisch an der Angel. Ich brauche ein Netz! Her mit einem Netz! Ein großes Internetz! Haha.
 
Sie sagen, sie würden einen Hilfe brauchen, um all die Informationen ans Licht zu bringen?
Ja, ich bin sicher, dass alle weiteren Nachforschungen meine erste Hypothese nur bestärken werden, dass die AD Jahre mit Hilfe der Präzession und der Planetenansammlung des Mai 2000 erstellt wurden. Es ist keine schwache Hypothese mehr, sondern schon eine starke Theorie. Wenn noch ein paar Leute in dieser Richtung arbeiten, wird es als Gewissheit bestätigt werden. Ich kann bescheiden sagen, dass ich diesen Weg geöffnet habe.
 
Sie sagen, sie fühlen einen Fisch im Netz zu haben - aber Wie? Weil sie diese Anfänge des Kalenders geklärt haben, und die letztliche Bedeutung der Mythen?
Haha, er ist noch nicht im Netz, nur an der Angel. Doch ja, es soll eine humorvolle Anspielung auf ICHTHYS sein, das griechische Akronym und erste Symbol der Christen, das sie benutzen, um zu signalisieren, dass mit Jesus ein neues Zeitalter begonnen hat, wegen des neuen Frühlingssternbild Fische. Dionysius hat im frühen 6. Jh. diesen Moment genau festmachen wollen: Mit seiner Festlegung der Zählung auf den Frühlingspunkt eines Jahres, das genau 2000 Jahre vor der vorausberechneten Planetenansammlung war. 2000 Jahre, das ist die Dauer eines Zeitalters, auf Grund des ihm bekannten Wertes der Präzession von 666 Jahren pro einem Dekan von 10°. Ich würde sagen, ich habe aufgedeckt, wie die katholische Kirche diesen Mythos in betrügerischer Absicht missbraucht hat, um die höchste Sehnsucht der Christen zu befriedigen: Das zweite Kommen von Jesus. Obwohl ich bescheiden bin, behaupte ich, dass ich bei der Demaskierung des christlichen Kalenderzeitbetruges in ähnlicher Weise erfolgreich war, wie es möglich war, mit Hilfe von Sternkunde den mittelalterlichen 300 Jahre Schwindel zu widerlegen, den der deutsche Historiker Illig behauptet. Die Sonne und die Sterne bringen es an den Tag.
 
Was haben sie noch an Forschungen vor?
Es gibt so viele Dinge, die mich interessieren. Aber ich muss meine Absichten fokussieren. Ich arbeite noch immer an der verborgenen und rätselhaften Landschaftsvermessung rund um den Teufelstein, die sich bereits bis weit nach Wien erstreckt. Ich habe ein rituelles Verhalten der früheren Bevölkerung in Verdacht, die sich mit Hilfe von Himmelsbeobachtung auch terrestrisch orientierten. Erst jüngst wurde eine schwedische Dissertation veröffentlicht, die eine Parallele in Ostergotland zeigt. Aber bald ist der Winter vorbei und ich werde wieder in den Wald übersiedeln und dort zu arbeiten, damit ich meine Familie ernähren, und das Studium meiner Töchter finanzieren kann. Weiters vielleicht ein Event zum Venustransit nur drei Tage nach CEP 245000.
 

Teil 3

Wie kann Dionysius auf die Idee der 2000 Jahre?
Wenn wir D.E. betrachten, müssen wir versuchen, auf das was er tat mir seinen Augen zu sehen, und mit dem Wissen und den Absichten seiner Zeit, die beides war, apokalyptisch und voller Sehnsucht nach der zweiten Auferstehung Christi, aber auch beeinflusst durch die klassische griechische Philosophie. Während seiner Lebenszeit kam zum fatalen Weltenjahr 6000 der ersten christlichen Weltgeschichte, geschrieben am Beginn des 3. Jh. durch Africanus. Diese Anno Mundi Zählung basierte auf einem teleogischen Konzept, das die Weltgeschichte mit dem einem göttlichen Heilsplan verknüpfen will und daher ein Zeitgerüst konstruiert, das auf der Bibel basiert. Die Siebentage der Schöpfungswoche entsprechen 7000 Jahren der Dauer der Welt. Die Geburt von Jesus ist dort auf AM 5500 datiert (beachten sie auch, dass AM 5500 nicht dem Jahr 1 AD entspricht, sondern 7 Jahre früher war) , und AM 6000 würde daher gleichbedeutend mit Beginn des Siebenten Tages sein. Daher musste das Anbrechen des Siebenten Tages verschoben werden, denn es musste ja der Jüngste Tag oder das Jüngste Gericht erhalten bleiben, da ja Jesus nicht zurückkehrte wie erwartet , noch der Jüngste Tag eintrat. Wie sollte dieser Tag denn je wirklich an einem vorausberechneten Termin wirklich kommen ? Er ist nur eine Vision. Wir nennen in zu Recht auch St. Nimmerleinstag.
Daher suchte D.E. nach einem anderen Tag für das Jüngste Gericht , welches in dem antiken philosophischen Weltbild dem entsprach, was wir Größtjahr am Ende eines Großen Jahres nennen, wenn sich alle Planeten wieder treffen. Dieses Ereignis (apokatastasis pantoon) hat er berechnet und fand es im Mai des Jahres das dann zum Jahr 2000 wurde. (5. Mai 2000, CEP 246493).
Nun kam eine zweite Überlegung in Betracht, die mit dem sogenannten Platonischen Monat, d.h. der Präzession zu tun hat. Wir müsse hier bemerken, dass Plato selbst niemals die Verschiebung der Äquinoktien erwähnte, sondern immer nur von der Wiederkehr aller Sterne, deren Funktion es sei, die Zeit zu erzeugen, an ihren Ausgangsort sprach und in Timaios 39 sagte: "dass die vollkommene Zahl der Zeit das vollkommene Jahr dann zum Abschluss bringt, wenn die gegenseitigen Geschwindigkeiten aller acht Umläufe zur völligen Übereinstimmung gelangt sind und wieder ihren Ausgangspunkt erreicht haben". Die Präzession war Dionysius sicherlich ebenso bekannt wie dem Autor der Johannesoffenbarung, die ebenfalls von der Präzession handelt, wenn das Tier, das brüllt wie ein Löwe aus dem Meer steigt (Leo erhebt sich über den westlichen Horizont, wie es Spika/era am am Tag des des Frühlingsmorgens tat und so den Begriff Ära erzeugte. D.E. war sich sicher das Ende eines Ära, des Fischezeitalters gefunden zu haben, da ICHTHYS, das lateinisierte griechische Word für Fische das erste Symbol der Christen war, und das neu aufgekommene Zeitalter markierte. Die Zahl des Tieres 666 und die oftmals erwähnten 1000 Jahre der Offenbarung gaben Dionysius wohl den nächsten Hinweis, weil es der Wert der Präzession wiedergibt. 666 Jahre pro Dekan von 10° ergeben in 2000 Jahren 30°, die durchschnittliche Länge eines Sternbildes. Alle mittelalterlichen jüdischen und arabischen Astronomen rechneten mit diesem Wert. Daher spielt die Präzession eine wesentliche Rolle und Dionysius erstellte in dieser Weise das Jahr 1 Anno Domini 2000 Jahre vor die "apokatastasis-pantoon Konjunktion".
In Wirklichkeit ist das eine Weltuntergangspeilung. Eine andere, ähnliche Überlegung führt zum selben Ergebnis. Es basiert auf einem neutestamentlichen Zeitrahmen , das auf einer neuen zeitlichen Schöpfung durch Jesus basiert, und später von Petrus Johannes Olivius und Joachim von Fiore ausgeführt wird und die Geschichte der Menschheit in drei Teile, entsprechend Vater, Sohn und heiliger Geist teilt. Luther trieb diese Idee noch weiter und gab der Dauer der menschlichen Existenz eine Dauer von 6000 Jahren , wobei er das letzte seiner "Annorum Mundi" mit dem Jahr 2000 gleichsetzte.
Wenn man zwei Tage (von je 2000 Jahren) dem Zeitalter des Sohnes zuschreibt , dann passt das ebenfalls zur Bibel, wenn man Jesusworte "ich werde am dritten Tag auferstehen" so interpretiert. Der Beginn des dritten Tages fängt nach zwei Tagen (2000 Jahren) an.
 

Wozu können die Ergebnisse ihrer Forschung dienen. Was nützt es, oder wie hilft es für das tägliche Leben?
Ich mache in erster Linie eine Art Grundlagenforschung, die nicht auf einen Zweck ausgerichtet war, und deren Ansatz die Erforschung des Kalenders war, ohne schon ein Ergebnis oder Ziel vor Augen zu haben. Das Ergebnis ist für mich selbst überraschend und ich selbst brauchte lange es in größerem Ausmaß zu realisieren und darzustellen. Wahre Wissenschaft dient in erster Linie der Vergrößerung des Wissens und hat keine andere Absicht.
Die Ergebnisse meiner Forschung soll man im Prinzip vorerst für sich selber beurteilen und Nutzen daraus ziehen. Da kann es viele Möglichkeiten geben, von Kirchenaustritt, um sich die Kirchensteuer ohne schlechtes Gewissen zu sparen, bis zur politischen Verankerung einer neuen vernünftigen und transparenten Zeitrechnung. Meine Ergebnisse zeigen aber auch, wie lügnerisch und irreführend Religionen sein können.
Prinzipiell muss aber trotzdem gewährleistet sein, dass zwar die Ausübung einer Religion oder der Glaube an ein wie immer geartetes Weltbild erlaubt ist. Keine Weltanschauung darf aber jemandem aufgedrängt werden oder den persönlichen Willen oder die Identität eines Anderen einschränken oder beeinflussen.
Für mein tägliches Leben habe ich die Weichen insofern gestellt, als dass ich den Gregorianischen Kalender aus meiner Identität entfernt haben möchte. Ich will, dass sich meine Geburtsdaten nicht von Jesus und der katholischen Kirche ableiten. Ich würde es z.B. auch ablehnen, das die Jahre meiner Geburt nach Hitler oder Napoleon, oder wem immer gezählt werden. Ich habe ja auch das Recht meinen Namen zu ändern, wenn er mir nicht gefällt, und z.B. können Menschen ja sogar ihr Geschlecht wechseln. Beim Wechsel der Zeitrechnung mache ich dasselbe Argument wie D.E. geltend, der Seinerzeit die Jahre nach Diokletian ablehnte, weil er diesen mit grausamer Verfolgung von Christen verknüpfte. Ich will in meinen Lebensdaten und meiner Identität keine Betrügereien und abergläubische Daten haben, zumindest nicht dann, nachdem ich sie als solche erkannt habe. Möchten sie in ihrem Pass einen wie immer codierten Vermerk stehen haben, der den Schluss erlaubt, sie gehören einer Weltverschwörungssekte an. Aus diesem Grund suche ich auch einen jungen couragierten Mitarbeiter, einen Rechtsanwalt, der durch den Paragraphendschungel den Behördenweg einschlägt und mir dabei hilft.
Letztlich kann es vielleicht ein Beitrag sein, dass keine heiligen Kriege mehr aus religiösen Gründen geführt werden, zu denen christliche Priester aufhetzen, indem sie vorgeben, von Gott dazu autorisiert zu sein.
 
Glauben sie nicht, dass dieses Ziel zu hoch gesteckt ist?
Es gab in der Geschichte der Menschheit immer wieder Phasen, wo Götter oder deren Söhne und Systeme stürzten. Sogar die Mythologie liefert viele solche Geschichten, wie z.B. die von Theseus, der Minos entthronte und dem Minotaurus das Ende bereitete, den ich mit dem christlichen Teufel vergleichen würde. In der Politik sahen wir den relativ friedlichen Sturz des Kommunismus, eines sehr dogmatischen Systems.
 
Sie spielen auf die katholische Kirche an?
Sie hat sich meiner Meinung nach unbewusst durch die Einführung der Jahreszählung sich selbst das Ende vorherbestimmt. Die Malachiasprophetie ist nur ein lächerlicher Beitrag dazu und die Seligsprechung von Kaiser Karl, weil er Krampfadern heilt ist wohl ein letzter hoffentlich hilfloser Versuch des Vatikan sich politisch ins Spiel und an die Macht zu bringen. Die neue Europäische Verfassung wird Weg weisend sein, und Frankreich zeigt mit dem Verbot provokanter religiöser Symbole in den Schulen wieder einmal die Richtung.
Ich denke für Zukunft geht es auch um Wiedergutmachung, nicht nur um Schuldeinbekenntnis. Die katholische Kirche hat immense Güter für das uneinlösbare Versprechen des Lebens nach dem Tode angehäuft. Mein Bruder sagt immer: Die Kirche ist eine Versicherung, bei der nie einen Schadensfall eintritt. Der Satz stimmt, denn ein Toter kann auf Eintritt in den Himmel nicht klagen, auch wenn er im Mittelalter noch so viel Ablass oder jetzt Kirchensteuer bezahlt hat. Es ist aber Zeit diese Summen nun den Menschen noch vor dem Tod auszuzahlen, und damit bei der Lösung der Probleme bei Pensionen und Altersvorsorge zu helfen. Ich sehe die Kirchengüter als Vorsorge für das einstige Jenseits, die nun aufgebraucht werden können, weil wir ja den von ihr selbst vorausberechneten "Jüngsten Tag" überschritten haben. Säkularisierung der Kirchengüter ist angesagt, wie Seinerzeit bei Joseph II., der die Gelder aber leider zur Kriegsführung missbrauchte. Wir brauchen die Kirchengüter zur Aufrechterhaltung des sozialen Systems, für die armen Länder und zur Überwindung der Zeitenwende. All die armen unschuldigen Heiden und gutgläubig Geprellten sollen nicht umsonst gestorben sein und vergebens gelitten haben. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass auch die heute noch gläubigen Christen Opfer ihres Aberglaubens sind und unser Bedauern und Mitgefühl brauchen.
 
Auf ihrer Suche nach Vernunft und Wirklichweit , was war die wichtigste Sache, die sie gefunden haben.
Ich würde sagen die Rolle des Zufalls oder der Zufälligkeit im Chaos, die ihren besten und einfachsten Ausdruck im Goldenen Schnitt findet, den jemand einmal die Grenze zwischen Chaos und Ordnung nannte. Ich bin ein Fan des Goldenen Schnittes, den ich auch im Kant' schen Imperativ sehe: "Das Eine zum Anderen, wie das Andere zum Gesamten."
 

Danke Sepp!
Danke Joan!
Das Interview mit Sepp Rothwangl führte Joan Griffith und zum Teil Bernd Pfeiffer.
Herausgegeben CEP - 245100
Revidiert CEP -240800